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Talgo
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Als Talgo â spanisches Akronym fĂŒr Tren articulado ligero Goicoechea Oriol (deutsch Gliederzug in Leichtbauweise nach Goicoechea und Oriol) â werden vom Unternehmen Talgo entwickelte GliederzĂŒge bezeichnet. Sie werden im Schienenpersonenfernverkehr auf Tages- und Nacht-Relationen sowie im Hochgeschwindigkeitsverkehr eingesetzt, wobei einige ZĂŒge umspurbare Laufwerke besitzen. Viele Talgo-ZĂŒge verkehren mit eigens fĂŒr sie entwickelten Triebfahrzeugen; teilweise sind diese mit den Personenwagen zu betrieblich nicht trennbaren TriebzĂŒgen verbunden.
Contents
âą Talgo II
âą Talgo III
âą Talgo 7
âą Projekt Talgo 22
âą Talgo Avril
âą Vittal
âą Europa
âą Sonstiges
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Das Talgo-Konzept
Die ersten TalgozĂŒge
Das Konzept der TalgozĂŒge entstand Ende der 1930er Jahre. Der von Alejandro Goicoechea entwickelte Zug sollte auf den teilweise kurvenreichen Strecken Spaniens schneller fahren können als die damals ĂŒblichen ZĂŒge. Dazu musste deren Gewicht reduziert und der Bogenlauf verbessert werden. Anstelle des bisherigen Ansatzes, einen langen Wagenkasten auf kurze Drehgestelle mit durchgehenden Achsen aufzusetzen, wĂ€hlte Goicoechea kurze WagenkĂ€sten mit einzelnen auf Stummelachsen sitzenden LosrĂ€dern. Zu jedem Wagenkasten gehört jeweils nur an einem Ende ein Laufwerk, wĂ€hrend sich das andere Ende auf dem Nachbarwagen abstĂŒtzt. Nur der fĂŒhrende Endwagen hat zwei Laufwerke. Durch die Laufwerksgeometrie der aufeinander aufgesattelten WagenkĂ€sten stellen sich die LosradsĂ€tze bei VorwĂ€rtsfahrt in den Bögen annĂ€hernd radial ein, so dass die SpurkrĂ€nze im Vergleich zu konventionellen Fahrzeugen weniger stark anlaufen und dadurch die GleiskrĂ€fte kleiner werden. Sinuslauf tritt an den Laufwerksportalen der Mittelwagen nicht auf, bei den Endwagen bis zu den Bauarten Talgo III und RD ebenfalls nicht.
Weil Drehgestelle entfallen und die Laufwerksteile zwischen den WagenkĂ€sten untergebracht sind, liegt der FuĂboden wesentlich tiefer ĂŒber den Schienen als bei konventionellen Wagen. Neben einer tiefen Schwerpunktlage ergibt sich dadurch ein Niederflureinstieg, was fĂŒr die damalige Zeit sensationell war. Talgoeinheiten sind wesentlich leichter als konventionelle Reisezugwagen. Dies rĂŒhrt einerseits aus einem konsequenten Leichtbau, andererseits aber auch vom kleineren Querschnitt der WagenkĂ€sten und den gleichmĂ€Ăiger ĂŒber den Zug verteilten Laufwerken. Die geringere Zugmasse erlaubt bei gleicher Leistung der Lokomotiven höhere Fahrgeschwindigkeiten. Weil sich die Masse der einzelnen Wagen hĂ€lftig auf das Laufwerk des Nachbarwagens abstĂŒtzt, können Talgoeinheiten nur in WerkstĂ€tten gekuppelt und getrennt werden. Derartige Einheiten werden als GliederzĂŒge bezeichnet. Der Nachteil ist, dass bei Störungen kein einzelner untauglicher Wagen ausgesetzt werden kann, sondern die ganze Einheit ausfĂ€llt. Um das Risiko von KomplettausfĂ€llen zu minimieren, werden die ZĂŒge meist von einem Talgo-Techniker begleitet. Dies gilt im Besonderen fĂŒr die internationalen Verbindungen und innerhalb Deutschlands, wo bei Ausfall des Zuges kein betrieblich gleichwertiger Ersatz zur VerfĂŒgung steht. Talgo wartet alle TalgozĂŒge in Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Betreiber in spezialisierten BahnwerkstĂ€tten.
Moderne TalgozĂŒge
Das grundsĂ€tzliche Konzept der TalgozĂŒge wurde im Verlaufe der Zeit nicht verĂ€ndert. Zahlreiche Details wurden verbessert.
Ab der Talgo-III-Generation sind die Laufwerke an den WagenkĂ€sten drehbar gelagert und werden ĂŒber Lenkerstangen zu den WagenkĂ€sten in Bögen zum KrĂŒmmungsmittelpunkt hin ausgerichtet. Die auf Halbachsen sitzenden RĂ€der eines Laufwerkes sind ĂŒber ein Portal miteinander verbunden, das die SekundĂ€rfederung und die Auflage fĂŒr den Nachbarwagen trĂ€gt. Eine zusĂ€tzliche PrimĂ€rfederung gibt es nur bei den Wagen der Bauart Talgo 350. Bei den Einheiten der Bauart Talgo 7 hat nicht mehr ein Endwagen zwei Laufwerke, sondern der Barwagen in der Mitte des Zuges. Dadurch können fĂŒr beide Endwagen die gleichen WagenkĂ€sten und Laufwerke verwendet werden. Die MittelwagenkĂ€sten der Pendular-Bauarten sind mit einer LĂ€nge von 13.140 mm etwa halb so lang wie ein 26.400 mm langer konventioneller europĂ€ischer Reisezugwagen. Der kurze Wagenkasten wird in selbsttragender Aluminiumleichtbauweise hergestellt. Ein Talgowagen der zweiten Klasse wiegt 14 t, wovon 2,5 t auf das Laufwerk entfallen.cite-ref-1[1]
Spurwechsellaufwerk
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Hauptartikel
:
âTriebfahrzeuge mit Talgo-Achsenâ im Artikel Umspurung (Eisenbahnfahrzeug)
Die Talgo III RD verfĂŒgten erstmals ĂŒber die Möglichkeit, wĂ€hrend der Fahrt die Spurweite zu verĂ€ndern. Heute sind etwa zwei Drittel der in Spanien eingesetzten Talgo-Pendular-Fahrzeuge sowie die Nachfolger Talgo 7 und die TriebzĂŒge der Baureihe 130 spurwechselfĂ€hig. Bei den Laufwerken, die fĂŒr den Spurwechsel vorgesehen sind, ist die Stummelachse mit der darauf sitzenden Radscheibe samt Achslagern seitlich verschiebbar angeordnet. Zwei von der Fahrzeugunterseite lösbare Sicherungskeile halten die Achslager in der fĂŒr die zu befahrende Spurweite notwendigen Position. In der Spurwechselanlage greifen vier T-Schienen in eine Nut der Sicherungskeile und ziehen diese in die Löseposition nach unten. Dadurch werden die LaufrĂ€der entriegelt. Durch seitliche FĂŒhrungsschienen werden die Radscheiben mit den Stummelachsen und Achslagern in die neue Position verschoben. Am Ende des Spurwechsels lassen die T-Schienen die Sicherungskeile in ihre ursprĂŒngliche Lage zurĂŒckgleiten, wo sie durch Federkraft gehalten werden. WĂ€hrend des gesamten Spurwechselvorganges gleitet das Laufwerksportal auf Kunststoffhilfskufen ĂŒber seitliche FĂŒhrungsschienen, die zur Reduzierung der Reibung mit Wasser besprĂŒht werden.
Entwicklung und Generationen
Talgo-VersuchstrÀger
Im Jahr 1941 fertigte Alejandro Goicoechea fĂŒr sein geplantes Zugkonzept einen VersuchstrĂ€ger ohne Aufbauten. Er bestand lediglich aus angelenkten dreipunktgelagerten Wagenelementen und EinzelrĂ€dern. Bei diesen Elementen handelte es sich um zusammengeschweiĂte Metall-Dreiecke, die RĂ€der waren LastkraftwagenrĂ€der mit SpurkrĂ€nzen. Mit diesem zwölfteiligen VersuchstrĂ€ger (Ur-Talgo) fanden im August 1941 zwischen Madrid und LeganĂ©s Testfahrten hinter einer Dampflokomotive statt. Es wurden dabei verschiedene Gleisgeometrien befahren und Geschwindigkeiten bis zu 75 km/h erzielt.cite-ref-historie-2-0[2] Insgesamt verliefen die Versuche zufriedenstellend. Wegen seiner speziellen und von Sattelaufliegern abgeleiteten Kinematik konnte dieser Prototyp jedoch nur in einer Richtung verkehren. In der anderen Richtung liefen sĂ€mtliche Laufwerke einseitig am Schienenkopf an. Rangierfahrten in dieser Richtung waren jedoch möglich.
Talgo I (Prototyp)
Als Talgo I wird der 1942 (im GrĂŒndungsjahr der Firma Talgo) hergestellte achtteilige Prototyp bezeichnet, im Gegensatz zum vorangegangenen VersuchstrĂ€ger handelte es sich dabei um einen vollstĂ€ndig aufgebauten Zug. Der Zug bestand aus einem Dieseltriebkopf (mit dem Antriebsdrehgestell eines Ganz-Dieseltriebwagens) und sieben sehr kurzen nachlaufenden Wagengliedern mit halbrundem Querschnitt. Wie schon der VersuchstrĂ€ger konnte auch der Prototyp nur in einer Hauptfahrrichtung verkehren. Als Besonderheit verfĂŒgte der aerodynamisch gestaltete Schlusswagen ĂŒber einen Heck-Ausstieg. Im Oktober 1942 wurden mit dieser Garnitur bei einer Versuchsfahrt zwischen Madrid und Guadalajara bereits 115 km/h erreicht, im Januar 1944 waren es zwischen Madrid und Ăvila bereits 135 km/h.cite-ref-historie-2-1[2] Der Talgo I wurde nie im Regelbetrieb eingesetzt und fiel nach jahrelanger Abstellung einem Brand zum Opfer.
Talgo II
1950 wurden erstmals TalgozĂŒge auf dem Netz der spanischen Staatsbahn Renfe eingesetzt. Da Talgo noch kein eigenes Fertigungswerk hatte und die spanische Waggonbauindustrie noch nicht in der Lage war, Leichtmetallkonstruktionen zu bauen, wurden die Dieseltriebköpfe und Wagen fĂŒr drei Garnituren bei American Car and Foundry in den USA gebaut und nach Spanien verschifft. ACF baute Ă€hnliche Fahrzeuge fĂŒr den Einsatz in den USA, die dort jedoch nicht lange im Einsatz waren. Das Laufwerk entsprach dem des Talgo I, damit waren auch die Talgo-II-Einheiten nur in einer Richtung einsetzbar und mussten an den Endbahnhöfen ĂŒber dafĂŒr eingerichtete Gleisdreiecke gewendet werden. Die Wagen entstanden in genieteter Aluminium-Differentialbauweise. Die Sitzwagen hatten keine EinstiegtĂŒren; diese befanden sich in gesonderten Technikwagen, in denen auch die Toiletten, GepĂ€ckregale und Klimaanlagen untergebracht waren. Am Schluss des Zuges befand sich ein Aussichtswagen mit groĂen Fenstern nach hinten. Die Talgo II wurden bis 1971 auf der Bahnstrecke MadridâHendaye eingesetzt, die Diesellokomotiven der spĂ€teren RENFE-Baureihe 350 danach umgebaut und mit nachgerĂŒsteten Puffern und Schraubenkupplungen noch einige Jahre in anderen Diensten eingesetzt. Alle drei Einheiten sind erhalten; je eine steht im Eisenbahnmuseum Madrid (Museo del Ferrocarril de Madridcite-ref-3[3]), eine in Vilanova i la GeltrĂș (Eisenbahnmuseum von Katalonien) und eine im Talgo-Werk Ribavellosa.
Talgo III
Ab 1964 wurden erstmals von Talgo selbst gebaute Zuggarnituren eingesetzt, wiederum in genieteter Aluminiumbauweise. Diese Fahrzeuge hatten erstmals winkelhalbierend zwischen den WagenkĂ€sten gefĂŒhrte Laufwerksportale und waren damit in beiden Fahrtrichtungen einsetzbar. Neu eingefĂŒhrt wurde die besondere Talgo-Kupplung, eine nur etwa 500 mm ĂŒber Schienenoberkante angeordnete Scharfenbergkupplung. Das jeweils fĂŒhrende Laufwerksportal wird ĂŒber die Auslenkung der Kupplung radial eingestellt. Die Talgo III wurden ursprĂŒnglich mit in der Höhe angepassten Diesellokomotiven der Baureihe 352 (ex 2000T, Einrichtungsbauart) und 353 (ex 3000T, Zweirichtungsbauart) bespannt. Diese Lokomotiven waren auch mit einem Hilfsdiesel fĂŒr die dreiphasige Energieversorgung des Wagenzuges ausgerĂŒstet.
Generatorwagen
Um nicht auf elektrifizierten Strecken unwirtschaftlich mit Diesellokomotiven fahren zu mĂŒssen, entstanden wenig spĂ€ter zweiachsige Energieversorgungs- und Kuppelwagen, womit die ZĂŒge auch mit anderen Loks bespannt werden konnten. Diese stĂ€ndigen Begleiter der Talgo-III-ZĂŒge werden im Spanischen Manso (dt. âLeithammelâ) genannt. Sie weisen an beiden Enden je eine Regelschraubenkupplung mit Seitenpuffern zum Kuppeln mit Regelfahrzeugen und zusĂ€tzlich darunter die Talgo-Scharfenbergkupplung auf. Im Innern befindet sich ein rotierender Umformer, der die 3 kV der Zugsammelschiene in die fĂŒr die Wagen benötigten 3Ă380 V wandelt. Ein zusĂ€tzlicher Dachstromabnehmer ermöglicht, den Wagenzug im Stand unter der Fahrleitung mit Energie zu versorgen, wenn keine Lokomotive angekuppelt ist. Bei fehlender Fahrleitungsspannung stellt ein Dieselgenerator die Energieversorgung des Zuges sicher.
Betrieblicher Einsatz
Seit 2009 sind alle Talgo-III-Wagen ausgemustert. Der letzte Zug (benannt nach dem Philosophen Miguel de Unamuno) verkehrte bis Juli 2009cite-ref-4[4] von Barcelona aus in Richtung Norden. Die vereint ausfahrenden Wagengruppen wurden unterwegs getrennt und liefen die StĂ€dte Hendaye, Burgos und Salamanca an. Diese Möglichkeit des schnellen Kuppelns und Trennens von mehreren Einheiten wurde von Anfang an genutzt. Auf diesen Strecken werden seither Alvia-ZĂŒge eingesetzt.
Talgo III RD (spurwechselfÀhig)
Um vom spanischen Breitspurnetz ohne Austausch von RadsĂ€tzen oder Laufwerksteilen auf Normalspurgleise wechseln zu können, entwickelte Talgo Laufwerke, bei denen der Abstand der Radscheiben verstellt werden kann und somit Gleise verschiedener Spurweiten befahren werden können. Diese Laufwerke wurden erstmals in Wagen der Talgo-III-Generation eingebaut. Die zusĂ€tzliche Bezeichnung RD steht fĂŒr spanisch âRuedas Desplazablesâ, ĂŒbersetzt verstellbare RĂ€der.
Der Spurwechsel erfolgt in einer Umspuranlage, in der die Radscheiben entlastet, entriegelt, durch GleitstĂŒcke in die neue Lage gedrĂŒckt und in dieser wieder verriegelt werden. Der fahrplanmĂ€Ăige Einsatz begann am 12. November 1968 mit einer Verbindung MadridâParis mit Umspurung in IrĂșn, 1969 folgte der CatalĂĄn-Talgo BarcelonaâGenf mit Umspurung in Portbou, der zunĂ€chst als Trans-Europ-Express verkehrte. Die letzten Talgo-III-RD-WagenzĂŒge fuhren bis zum 18. Dezember 2010 auf der Verbindung BarcelonaâMontpellier.
Die Einheiten unterschieden sich in weiteren Details von den nichtumspurbaren Talgo-III-Fahrzeugen. Die WagenkĂ€sten waren schmaler, um in das UIC-505-Profil zu passen. Die Endwagen waren mit Regelschraubenkupplungen ausgerĂŒstet, die tiefliegende Talgo-III-Scharfenbergkupplung gab es hier nicht. In den Endwagen befanden sich Dieselgeneratoren fĂŒr die Zugenergieversorgung. Die Laufwerke der Endwagen wurden ĂŒber die Puffer gesteuert, was bei den Lokomotiven spezielle Hydraulikpuffer erforderte. Mittelwagen der Generation Talgo III RD gab es als Sitzwagen erster Klasse (spĂ€ter teilweise zur zweiten Klasse umgebaut), Speiseraumwagen, KĂŒchenwagen mit Bar sowie Schlafwagen.
Talgo Pendular (passive Neigetechnik)
Ab 1980 wurden Talgo-Pendular-ZĂŒge in Dienst gestellt. Der Wagenkasten wurde vollstĂ€ndig ĂŒberarbeitet, verlĂ€ngert und aus Aluminium-Strangpressprofilen geschweiĂt. Die Wagen sind mit einer passiven Neigetechnik ausgerĂŒstet. Der Kasten stĂŒtzt sich auf zwei ĂŒber den RĂ€dern liegenden AluminiumsĂ€ulen mit obenliegenden Luftfedern. In Bögen pendelt der Kasten durch die auf ihn wirkende Zentrifugalkraft nach auĂen. Mit dieser Technik lĂ€sst sich eine Auslenkung von etwa 3,5° erreichen, was etwa der halben Auslenkung von Fahrzeugen mit aktiver Neigetechnik entspricht. Da die Bewegung im Vergleich zur aktiven Neigetechnik relativ langsam erfolgt, wird sie durch die FahrgĂ€ste kaum wahrgenommen. Die ZĂŒge werden ĂŒber einen Dieselgenerator in einem Endwagen mit Energie versorgt. Der Generatorwagen ist in der Regel der Endwagen mit nur einem Laufwerk. FĂŒr besonders lange ZĂŒge, die nicht von einem Dieselgeneratorsatz versorgt werden können, existieren auch Generatorendwagen mit zwei Laufwerken. Sie wurden vorwiegend mit den NachtzĂŒgen eingesetzt. Die Endwagen erhielten geschlossene WagenĂŒbergĂ€nge mit in zusammengelegtem Zustand in die StirnwĂ€nde integrierten FaltenbĂ€lgen. Diese FaltenbĂ€lge entsprechen jedoch nicht der international genormten Bauart fĂŒr Reisezugwagen und können nur untereinander verbunden werden.
Talgo-Pendular-ZĂŒge gibt es in folgenden Untervarianten:
Talgo 4
Von 1980 bis 1988 wurden 26 ZĂŒge der ersten Generation Talgo Pendular gebaut. Die Sitz- und Schlafwagen besitzen keine Spurwechsellaufwerke und verkehren deshalb nur auf dem iberischen Breitspurnetz. ĂuĂerliche Kennzeichen dieser Bauart sind groĂe Seitenfenster und nach innen öffnende KlapptĂŒren mit auĂenliegenden Handstangen. Eine Wendezugsteuerung ist nicht eingebaut. Zwei Einheiten wurden 2010 nach Argentinien verkauft.cite-ref-clarin-7-11-2010-5-0[5]
Talgo 5
1981 wurden sechs SchlafwagenzĂŒge mit Spurwechsellaufwerken fĂŒr den Paris-Madrid-Talgo gebaut, wo sie die Talgo-III-RD-Wagen ablösten. Seit 1991 sind sie auf rein innerspanischen Verbindungen im Einsatz. Die Betten in den Schlafwagen sind schrĂ€g zur Fahrrichtung angeordnet, damit der Platz besser ausgenutzt werden kann.
Talgo 6
FĂŒr diese Generation wird neben der Bezeichnung Talgo 6 auch die Bezeichnung Talgo 200 verwendet. Die ZĂŒge wurden nochmals ĂŒberarbeitet und erhielten eine bessere Luftfederung, die ep-Bremse fĂŒr den Einsatz mit einer Geschwindigkeit von 200 km/h, geschlossene Toiletten und SchwenkschiebetĂŒren mit einer zentralen TĂŒrschlieĂ- und Blockiereinrichtung. Die Endwagen wurden mit FĂŒhrerstĂ€nden mit einer vollwertigen, jedoch nur selten genutzten Wendezugsteuerung ausgerĂŒstet. Mit der 1992 zwischen Madrid und Sevilla eröffneten ersten normalspurigen Hochgeschwindigkeitsstrecke entstand ein neuer Bedarf an Rollmaterial mit Spurwechselfahrwerken fĂŒr den Einsatz im innerspanischen Verkehr. Neu errichtete Spurwechselanlagen erlauben den Ăbergang zwischen dem Hochgeschwindigkeitsnetz und dem Breitspurnetz. Dadurch profitieren auch StĂ€dte von besseren Verbindungen, die nicht direkt an den neu gebauten Hochgeschwindigkeitsstrecken liegen.
Von den Talgo-6-Wagen wurden 1989 bis 1999 in vier Serien 353 Schlaf- und Sitzwagen gebaut, die in 28 ZĂŒgen sowohl innerhalb Spaniens als auch im internationalen Verkehr eingesetzt sind. Der erste Einsatz erfolgte in den NachtzĂŒgen Pau Casals BarcelonaâZĂŒrich beziehungsweise Salvador DalĂ BarcelonaâMailand. Ab 1993 setzte die Renfe die ersten innerspanischen TageszĂŒge als Zuggattung Talgo 200 zwischen Madrid und MĂĄlaga ein. 2003 wurde der Namen in Altaria geĂ€ndert.
Die nebenstehende Karte zeigt alle Umspuranlagen System Talgo, die in der offiziellen Beschreibung des spanischen Eisenbahnnetzes von 2014 aufgefĂŒhrt waren.cite-ref-6[6] Die von der Deutschen Bahn und von Amtrak beschafften ZĂŒge gehören ebenfalls zur Bauart Talgo 6. Sie sind jedoch nicht spurwechselfĂ€hig. Eine Besonderheit der bei der Deutschen Bahn ehemals eingesetzten Talgo (Deutsche Bahn, 1994â2009)-Garnituren waren von der Zugsammelschiene der Lok gespeiste rotierende Umformer in den Endwagen, die den Drehstrom zur Versorgung der Wagen bereitstellten. Ihnen fehlte die Wendezugsteuerung, die WagenĂŒbergĂ€nge waren ohne FaltenbĂ€lge ausgefĂŒhrt worden.
Unter BerĂŒcksichtigung der Spurweite sind Wagen der Bauarten Talgo 4 bis 6 in einem Zugverband einsetzbar.
Talgo 7
Aus dem Talgo Pendular wurde Ende der 1990er Jahre eine neue Generation Talgo-Wagen entwickelt, die folgende Neuerungen aufweist:
âą An Stelle eines Endwagens hat der Barwagen zwei Laufwerke, so dass die beiden Endwagen wagenbaulich gleich sind.
âą Das Dreiphasenwechselstromnetz fĂŒr die Energieversorgung wird in den Endwagen nicht mehr mit einem Dieselgenerator erzeugt, sondern mit einem Wechselrichter, der vom Triebfahrzeug ĂŒber die Zugsammelschiene mit Energie versorgt wird.
âą Die Klimaanlagen sind nicht mehr an den Wagenenden, sondern unter den Wagen angebracht.
âą Die Wagen sind mit hydraulischen Bremsen ausgerĂŒstet, die vom Steuerventil ĂŒber einen DruckĂŒbersetzer angesteuert werden.
Die Renfe hat von der Talgo-7-Generation auch NachtzĂŒge (Trenhotel) beschafft, die im Unterschied zu frĂŒheren Generationen keine Vierbettabteile mehr anbieten. Drei Garnituren werden an den italienischen Betreiber Arenaways vermietet. Neben den lokbespannten ZĂŒgen werden Talgo-7-Wagen auch als Mittelwagen in den HochgeschwindigkeitszĂŒgen Talgo XXI und Talgo 250 (RENFE-Baureihe 130) eingesetzt. Einige Talgo-7-Einheiten wurden zu MittelwagenzĂŒgen der Reihe 130 umgebaut. Dabei entfielen die Wendezugsteuerung, die eingebauten Spitzen- und Schlusssignale und die Schraubenkupplung mit den Seitenpuffern. Die FĂŒhrerstandsfenster wurden zugesetzt und eine Hochspannungsdachleitung zur Verbindung beider Triebköpfe eingebaut. Die WagenzĂŒge der Talgo 350 sind von der Bauart Talgo 7 abgeleitet. Sie sind allerdings nicht spurwechselfĂ€hig und nur normalspurig ausgefĂŒhrt.
Talgo XXI (spurwechselfÀhig)
Unter dem Namen Talgo XXI wurde im Jahr 2000 ein Projekt fĂŒr TriebzĂŒge aus Talgo-7-Wagen und wahlweise zwei Triebköpfen an beiden Enden oder Triebkopf und Steuerwagen an jeweils einem Ende vorgestellt. Die Talgo XXI wurden optional mit umspurbaren Laufwerken angeboten.cite-ref-7[7]
Bis zur Entwicklung der Talgo 250 wurde aber lediglich ein Prototyp gebaut, der an beiden Enden mit dieselhydraulischen Triebköpfen ausgerĂŒstet war. Der Prototyp wurde mit umspurbaren Laufwerken ausgerĂŒstet, erstmals erprobte man damit spurwechselfĂ€hige Triebdrehgestelle.
Die als BT bezeichnete Triebköpfe mit 1150-kW-Dieselmotoren und einer geplanten Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h wurden von Krauss-Maffei geliefert. Am 3. April 2000 fĂŒhrte ein Versuchszug, bestehend aus einem BT-Triebkopf und sieben Wagen, eine Demonstrationsfahrt von Madrid nach Puente Genil durch. Dabei wurde in CĂłrdoba zum ersten Mal die Umspurung bei Fahrt demonstriert: der Zug durchfuhr die Umspurungsanlage mit 15 km/h in 60 Sekunden.cite-ref-8[8]
Am 12. Juni 2002 stellte die Talgo XXI, bestehend aus den beiden Triebköpfen (355 001 und 002) und drei Mittelwagen, mit 256,38 km/h einen neuen Weltrekord fĂŒr dieselbetriebene Fahrzeuge auf. Zur Erinnerung daran wurden an den beiden Triebköpfen entsprechende Aufschriften angebracht.cite-ref-9[9] SpĂ€ter wurden zwei Steuerwagen geliefert und zwei vierteilige ZĂŒge zusammengestellt, bestehend aus je einem Triebkopf, zwei Mittelwagen und einem Steuerwagen. Nach diversen Messfahrten wurden beide ZĂŒge an die spanische Infrastrukturbehörde GIF (spĂ€ter ADIF) verkauft, die sie fĂŒr Messfahrten auf Hochgeschwindigkeitsstrecken einsetzt. Die Triebköpfe der PrototypzĂŒge haben lediglich ein Triebdrehgestell; das andere Ende stĂŒtzt sich auf das Talgo-Fahrwerk des benachbarten Wagens ab. Talgo Inc. US Corporate Office stellte das Projekt auch mit einem vierachsigen Dieseltriebkopf vor.cite-ref-10[10]
Talgo 350
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Hauptartikel
:
RENFE-Baureihe 102
Seit 2001 baute Talgo zusammen mit Bombardier bis zu 330 km/h schnelle Talgo 350 fĂŒr die Hochgeschwindigkeitsstrecke MadridâBarcelona. Die Einheiten entstanden ausschlieĂlich als TriebzĂŒge, die Zugbildung entspricht mit vierachsigen Triebköpfen und einer dazwischenlaufenden Talgoeinheit der der Talgo 250 der Reihe 130. Die Zwischenwagen sind sehr Ă€hnlich den Talgo-7-Wagen, aber die Laufwerke haben eine zusĂ€tzliche Bremsscheibe und als einzige Talgowagen eine PrimĂ€rfederung. Bei der Renfe sind die fĂŒr 330 km/h zugelassenen SerienzĂŒge seit 2005 als Baureihe 102 eingesetzt. Eine zweite Serie wurde wegen des abweichenden Platzangebotes als Baureihe 112 eingeordnet.
Talgo lieferte fĂŒr den Einsatz auf der Strecke von Mekka nach Medina in Saudi-Arabien HochgeschwindigkeitszĂŒge des Typs Talgo 350.cite-ref-11[11] Die TriebzĂŒge wurden in Spanien gefertigt. Die Wagen verfĂŒgen ĂŒber die passive Talgo-Pendular-Neigetechnik und sind mit einer FuĂbodenhöhe von 760 mm durchgehend niederflurig ausgefĂŒhrt.
Talgo 250 (spurwechselfÀhig)
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Hauptartikel
:
RENFE-Baureihe 130
Seit 2006 werden Talgo-250-ZĂŒge gebaut, die sowohl auf den bestehenden Strecken in spanischer Breitspur als auch auf Normalspur insbesondere im spanischen Hochgeschwindigkeitsnetz verkehren können. Die Zwischenwagen entsprechen der Bauart Talgo 7, sie wurden zum Teil aus lokbespannten Einheiten umgebaut und mit einer 25-kV-Dachleitung ausgerĂŒstet. Bei der Renfe sind die ZĂŒge als Baureihe 130 eingesetzt.
Die Usbekischen Eisenbahnen (Usbekisch: OÊ»zbekiston Temir YoÊ»llari, Kode fĂŒr das Eigentumsmerkmal: UTY) bestellten 2009 zwei Talgo-250-ZĂŒge in russischer Breitspur. Der erste Zug wurde im Juli 2011 geliefert. Im Gegensatz zu den von Bombardier ausgerĂŒsteten ZĂŒgen der Renfe verfĂŒgen die usbekischen ZĂŒge mit dem Namen Afrosiyob ĂŒber elektrische AusrĂŒstungen von Ingeteam.cite-ref-12[12]
Projekt Talgo 22
Talgo bietet mit dem Talgo 22 einen âechtenâ Doppelstocktriebzug an, der sowohl im unteren als auch im oberen Stock durchgĂ€ngig begehbar ist. Bisher handelt es sich dabei jedoch nur um ein Projekt, es wurden erst zwei antriebslose Prototypwagen gebaut.cite-ref-13[13] Die elektrische AusrĂŒstung wĂŒrde von ELIN geliefert werden. Die ZĂŒge wurden in den Ausschreibungen fĂŒr die S-Bahn ZĂŒrich und den Schienennahverkehr in der Region Helsinki angeboten.cite-ref-14[14] Der Prototyp wurde im Juni 2005 vorgestellt.cite-ref-eri-2005-391-15-0[15]
Talgo Avril
Im September 2008 stellte Talgo das Projekt fĂŒr eine neue Generation HochgeschwindigkeitszĂŒge unter dem Namen Avril (Eigenschreibweise teilweise auch AVRIL, als Initialwort fĂŒr Alta Velocidad Rueda Independiente Ligero,cite-ref-railwaygazette-2009-07-27-16-0[16]cite-ref-17[17] deutsch âHochgeschwindigkeit Losrad Leichtâ) vor. Avril ist eine Plattform, aus der Triebzugeinheiten mit unterschiedlichen LĂ€ngen, Breiten, Spurweiten und Stromsystemen/Antriebsarten abgeleitet werden können.cite-ref-railwaygazette-2009-07-27-16-1[16]
Die 200 Meter langen TriebzĂŒge sollten zwei Triebköpfe und zwölf Zwischenwagen umfassen, wobei Versionen mit unterschiedlichen Klasseneinteilungen je nach Kundenwunsch angeboten werden können. Die Version mit zwei Wagenklassen und Barabteil hĂ€tte mindestens 580 SitzplĂ€tze geboten, wovon ein Viertel der PlĂ€tze in der ersten Klasse gewesen wĂ€ren. Die reine Zweite-Klasse-Version sollte mindestens 700 SitzplĂ€tze bieten. Die ZĂŒge sollten in der zweiten Klasse eine 2+3-Bestuhlungcite-ref-18[18] und eine 2+2-Bestuhlung in der ersten Klasse aufweisen, einzig die Endwagen der reinen Zweite-Klasse-ZĂŒge sollten mit einer 2+2-Bestuhlung geliefert werden. Die dichte Bestuhlung wird durch die nur 13,14 Meter langen Zwischenwagen möglich, die eine AuĂenbreite von 3,20 Meter erlauben. Die gegenĂŒber frĂŒheren Varianten breiteren WagenkĂ€sten sollten dank neuer Laufwerke mit SekundĂ€rfederung in Höhe des Schwerpunktes Wanken oder Pendeln unterbinden und eine maximale Ausnutzung des Fahrzeugumgrenzungsprofils ermöglichen. Das Reservierungssystem sollte gewĂ€hrleisten, dass die unbeliebten Mittelsitze in der zweiten Klasse nur belegt werden, wenn der Zug eine höhere Auslastung als 80 % aufweist.cite-ref-praesentation-talgo-19-0[19] Der Wagenboden ist auf 760 Millimeter ĂŒber Schienenoberkante angeordnet, so dass bei Bahnsteigen nach den neuesten TSI-Normen ohne Stufe eingestiegen werden kann.cite-ref-praesentation-talgo-19-1[19] Die AntriebsausrĂŒstung sollte in den Triebköpfen konzentriert werden. Die geplante betriebliche Höchstgeschwindigkeit sollte mindestens 380 km/h betragen,cite-ref-railwaygazette-2009-07-27-16-2[16] wofĂŒr eine Dauerleistung von 8800 kW notwendig wĂ€re. Die Masse wird mit 287 t angegeben, was eine Antriebsleistung von 27,3 kW/t ergeben hĂ€tte.cite-ref-praesentation-talgo-19-2[19] Die Strecke MadridâBarcelona lieĂe sich mit dem Talgo Avril in einer Stunde und 45 Minuten bewĂ€ltigen.cite-ref-0-20-0[20]
Avril-Prototyp G3
Das 2010 im Modell vorgestellte Konzept mit teils hochflurigen Wagen und verteilter Antriebstechnik wurde nicht realisiert. An der Innotrans 2012 wurde ein Triebkopf und zwei Wagen eines Prototyp-Zuges G3 vorgestellt. Die erste vollstĂ€ndige Prototypeinheit wurde bis 2013 fertiggestellt und 2014 in Betrieb genommen. Im Oktober 2014 begannen die nĂ€chtlichen Erprobungsfahrten auf der Schnellfahrstrecke MadridâSevillacite-ref-21[21] bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h, danach folgten Probefahrten auf der Schnellfahrstrecke MadridâBarcelona, wo die Geschwindigkeit von 363 km/h erreicht wurde, was fĂŒr eine Homologation bis 330 km/h ausreicht,cite-ref-22[22] die im Mai 2016 erlangt wurde.
Der Zug ist mit konventionellen Triebköpfen ausgerĂŒstet, besitzt Zwischenwagen mit einer Kastenbreite von 3,2 m, was eine Bestuhlung 2+3 in der Touristenklasse erlaubt. Die vom Talgo 350 abgeleiteten Triebköpfe sind unter Verwendung elektrotechnischer Komponenten von ABB weiterentwickelt worden und mit einer ZweispannungsausrĂŒstung fĂŒr den Betrieb unter 25 kV mit 50 Hz Wechsel- und 1500 V Gleichspannung ausgerĂŒstet. Die Kopfform und der Unterboden des Zuges wurden aerodynamisch optimiert.cite-ref-23[23]
Avril-Hochgeschwindigkeitszug F070
Im November 2016 setzte sich Patentes Talgo mit einem auf dem Projekt Talgo Avril basierenden Zug in einer internationalen Ausschreibung der spanischen Staatsbahn Renfe fĂŒr den Erwerb von 15 Zuggarnituren sowie Option auf 15 weitere fĂŒr den Hochgeschwindigkeitsverkehr durch. Die neuen ZĂŒge sollen im Regelbetrieb 330 km/h erreichen und dank einer 2+2-Bestuhlung in der ersten Klasse sowie einer 2+3-Bestuhlung in der zweiten Klasse Platz fĂŒr 521 Reisende bieten.cite-ref-24[24] Von den 12 Zwischenwagen sind drei der Wagenklasse Preferente und acht der Turista zugeordnet. Zwischen den beiden Wagenklassen befindet sich der Cafeteriawagen. Die normalspurigen Einheiten erhalten Triebköpfe mit einer DreisystemausrĂŒstung fĂŒr 25 kV Wechselspannung mit 50 Hz sowie 3 und 1,5 kV Gleichspannung. Sie sollen ebenfalls im französischen Netz verkehren können. Die ZĂŒge werden FahrzeugausrĂŒstungen fĂŒr die Zugbeeinflussungen ETCS und ASFA erhalten, zehn Einheiten zusĂ€tzlich das in Frankreich verwendete System TVM.cite-ref-25[25] Der chinesische Bahnhersteller CRRC erhielt als Unterlieferant fĂŒr 60 Mio. Yuan, umgerechnet 7,3 Mio. Euro, den Auftrag, das Fahrgastunterhaltungs- und -informationssystem zu liefern.cite-ref-26[26] Alle Einheiten der ersten Teilserie werden in die Reihe 106 eingeordnet.cite-ref-27[27]
Im Mai 2017 wurde fĂŒr 495 Mio. Euro die Option fĂŒr weitere 15 ZĂŒge eingelöst, wobei die Instandhaltung der ZĂŒge ĂŒber 30 Jahre im Lieferpreis mit eingeschlossen ist. Die als Reihe 122 eingeordneten Einheiten werden mit umspurbaren Laufwerken ausgerĂŒstet, sodass sie neben den normalspurigen Hochgeschwindigkeitsstrecken auch das iberische Breitspurnetz befahren können.cite-ref-28[28]
Ende Juli 2020 verlieĂ der erste Zug der Baureihe 106 das in der NĂ€he von Miranda de Ebro gelegene Talgo-Werk Rivabellosa und wurde auf Rollböcken ĂŒber die breitspurige Strecke zum Hochgeschwindigkeitszugsdepot La Sagra in der NĂ€he von Toledo gebracht, wo die Streckenversuche zum Erlangen der TSI-Zulassung durchgefĂŒhrt werden.cite-ref-29[29]
Am 23. Januar 2023 bestellte das private französische Eisenbahnverkehrsunternehmen Le Train zehn ZĂŒge, die ab 2025 ausgeliefert und anschlieĂend im Westen Frankreichs eingesetzt werden sollen.cite-ref-30[30]
Avril-Prototyp G4
Ein weiterer Prototyp G4 soll gegenĂŒber dem G3 mehr TreibradsĂ€tze aufweisen, indem jeder Triebkopf des Zuges neben den eigenen Drehgestellen ein weiteres Triebdrehgestell unter den Zwischenwagen versorgen soll, sodass pro Einheit zwölf angetriebene Achsen vorhanden wĂ€ren. Damit sollen die Zugeinheiten eine Höchstgeschwindigkeit von 380 km/h erreichen.cite-ref-31[31]
Kommerzieller Einsatz
Im Oktober 2023 wurden die Einheiten des Typs Avril unter der Baureihenbezeichnung 106 von der EuropĂ€ischen Eisenbahnagentur (ERA) zugelassen, damit können sie im spanischen Netz eingesetzt werden. Im Februar 2024 begann die Renfe mit der Ausbildung der TriebfahrzeugfĂŒhrer in den neuen Einheiten. Im April 2024 wurden schlieĂlich die ersten ZĂŒge an Renfe ausgeliefert; der erste kommerzielle Einsatz erfolgte am 21. Mai 2024.cite-ref-32[32]cite-ref-33[33]
Vittal
An der Innotrans 2014 stellte Talgo unter dem Namen Vittal erstmals einen Triebzug fĂŒr den Regionalverkehr vor.cite-ref-34[34] Der vierteilige Zug hat die Achsanordnung Boâ2â2â2âBo, wobei Talgo fĂŒr die nicht angetriebenen Laufwerke die Losradtechnik verwenden will. Die Laufwerke bei den WagenĂŒbergĂ€ngen sind somit keine Jakobsdrehgestelle. Der 78 m lange Zug wird in Normalspur, iberischer Breitspur und russischer Breitspur angeboten. In der Nahverkehrsvariante bietet der Zug 190 SitzplĂ€tze und 320 StehplĂ€tze, in der Interregio-Variante 212 SitzplĂ€tze. Die Höchstgeschwindigkeit soll 160 km/h betragen, wofĂŒr eine Leistung von 2 MW fĂŒr den 131,5 t schweren Zug notwendig ist. Der Zug soll entweder einen rein elektrischen Antrieb erhalten oder als Zweikraftfahrzeug ausgefĂŒhrt werden. Alle Versionen werden eine maximale Achsfahrlast von 22 t aufweisen und eine Wagenbodenhöhe von 550 mm haben. Talgo plant, einen Versuchszug zur Absicherung des Konzeptes zu bauen.cite-ref-35[35]cite-ref-36[36]
Europa
Talgo-ZĂŒge in Deutschland
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Hauptartikel
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Talgo (Deutsche Bahn, 1994â2009)
Ab November 1988 begann die Deutsche Bundesbahn umfangreiche Testfahrten mit geliehenen Talgo-Garnituren der Renfe. Nachdem diese Tests erfolgreich verlaufen waren, entschied sich die DB fĂŒr den kommerziellen Einsatz der Talgo-Technik. Im Juni 1992 bestellte die DB fĂŒnf Talgo-6-Kompositionen fĂŒr den Nachtzugeinsatz, weitere zwei ZĂŒge 1995. Zum Sommerfahrplan 1994 wurde der fahrplanmĂ€Ăige Talgo-Verkehr in Deutschland aufgenommen. Die ZĂŒge wurden von Talgo Deutschland, einer Tochtergesellschaft von Talgo, S.A., im Talgo-Werk Berlin Warschauer StraĂe gewartet. Die ZĂŒge wurden bis zum Dezember 2009 auf den Verbindungen MĂŒnchenâBerlin und MĂŒnchenâHamburg eingesetzt. EinsĂ€tze nach Spanien und Russland wurden verworfen. Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2009 wurden die Talgo-WagenzĂŒge abgestellt und durch herkömmliche Schlaf-, Liege- und Sitzwagen aus dem Wagenpark der DB NachtZug ersetzt.cite-ref-37[37]
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Hauptartikel
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ICE L
Im Februar 2019 erteilte die Deutsche Bahn dem Hersteller Talgo einen GroĂauftrag ĂŒber rund 550 Millionen Euro fĂŒr zunĂ€chst 23 bis zu 230 km/h schnelle 17-teilige FernverkehrszĂŒge mit je einer Zweisystemlokomotive. Im Mai 2023 wurde der Auftrag auf 79 ZĂŒge erhöht. Der Rahmenvertrag sieht die Lieferung von bis zu 100 Zugeinheiten der Bauart Talgo 230 vor. Diese sollten ab 2023 unter der Bezeichnung ICE L auf der Strecke BerlinâAmsterdam und einigen touristischen Strecken eingesetzt werden.cite-ref-38[38] Die Inbetriebnahme verzögerte sich jedoch.
Talgo-ZĂŒge in DĂ€nemark
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Hauptartikel
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DSB EC
Die Danske Statsbaner haben acht Wageneinheiten mit je 440 SitzplĂ€tzen in 13 Wagen bei Talgo bestellt, die ab 2024 mit neuen Vectron-Lokomotiven zwischen Kopenhagen und Hamburg eingesetzt werden sollten. Die ZĂŒge mit einer Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h basieren auf der Plattform Talgo 230 und werden im Anschluss an die von der Deutschen Bahn bestellten ICE L gefertigt. Es wurde ein Instandhaltungsvertrag ĂŒber 16 Jahre abgeschlossen.cite-ref-39[39]cite-ref-40[40]
Talgo-ZĂŒge in Russland und via Belarus â Polen nach Deutschland
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Hauptartikel
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Strizh
Im Juni 2011 bestellte die russische Bahn sieben als Strizh bezeichnete Talgo-ZĂŒge zu zwanzig Wagen, die mit passiver Neigetechnik ausgerĂŒstet sind. Davon sind drei ZĂŒge mit automatisch umspurbaren Laufwerken ausgerĂŒstet und fĂŒr den Einsatz auf der Linie MoskauâBerlin, nach frĂŒherer Planung auch MoskauâKiewcite-ref-41[41]cite-ref-42[42] vorgesehen. Ein Zug wurde ab Sommer 2014 auf dem Versuchsring Velim erprobt.cite-ref-43[43] Am 17. Dezember 2016 wurde die Verbindung Moskau â Berlin mit zunĂ€chst zwei Zugpaaren je Woche aufgenommen, wobei durch die neue automatische Spurwechselanlage in Brest die Reisezeit auf etwas ĂŒber 20 Stunden reduziert werden konnte.cite-ref-rg-201611-44-0[44]
Die vier mit BreitspurradsĂ€tzen ausgerĂŒsteten ZĂŒge werden auf innerrussischen Verbindungen eingesetzt. Die Betriebsaufnahme erfolgte im Juni 2015 auf der Strecke MoskauâNischni Nowgorod mit zunĂ€chst fĂŒnf tĂ€glichen Zugpaaren. Die 440 Kilometer lange Verbindung wird bei einer Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h und drei Unterwegshalten in drei Stunden und 35 Minuten bewĂ€ltigt.cite-ref-45[45] Die russischen Einheiten entsprechen der Bauart Talgo VIII, wie der neue Talgo Amtrak Cascades II. Sie sind an den Betriebskuppelenden mit Unilink-Kuppelköpfen ausgerĂŒstet, die das Kuppeln mit Fahrzeugen mit Schraubenkupplung und Kuppelköpfen mit Willison-Profil wie der Bauform SA-3 ohne UmrĂŒstarbeiten ermöglichen.
Talgo-ZĂŒge in Bosnien und Herzegowina
Die Eisenbahnen der Föderation Bosnien und Herzegowina (ĆœFBH) haben im Juli 2005 neun neunteilige Talgo-Garnituren bestellt, die technisch vom Talgo 7 abgeleitet, aber nicht spurwechselfĂ€hig sind. FĂŒnf Einheiten wurden als TageszĂŒge eingerichtet (Endwagen erster Klasse, Wagen erster Klasse mit Rollstuhlbereich, Cafeteriawagen, fĂŒnf Wagen zweiter Klasse und Endwagen zweiter Klasse; insgesamt 237 PlĂ€tze), vier Einheiten als NachtzĂŒge (Endwagen mit Ruhesesseln, zwei Ruhesesselwagen, Schlafwagen, Cafeteriawagen, drei Wagen zweiter Klasse und Endwagen zweiter Klasse; insgesamt 186 PlĂ€tze). Der fahrplanmĂ€Ăige Einsatz auf den Strecken von Sarajevo nach Ljubljana, Zagreb und Belgrad sollte 2011 beginnen, die Lieferung erfolgte erst im FrĂŒhjahr 2012. Probefahrten wurden im Mai und Juni 2012 durchgefĂŒhrt, der Einsatz fand aber zunĂ€chst nicht statt, da das Streckennetz in Bosnien und Herzegowina zu schlecht fĂŒr schnell fahrende ReisezĂŒge war. Nach lĂ€ngerer Standzeit wurden die ZĂŒge Ende 2013 an die TĂŒrkei vermietet.cite-ref-46[46]cite-ref-47[47] Am 26. September 2016 begann der Einsatz in einem tĂ€glichen Zugpaar zwischen Sarajevo und Doboj.cite-ref-48[48] Seit Juni 2017 verkehren auch auf der mittlerweile sanierten Strecke zwischen Sarajevo und Äapljina ĂŒber Mostar tĂ€glich zwei ZĂŒge pro Richtung.cite-ref-49[49] WĂ€hrend anfangs nur die TageszĂŒge zum Einsatz kamen, wurde der erste Nachtzug seit 3. Juli 2018 in einem tĂ€glichen Zugpaar zwischen Sarajevo und BihaÄ ĂŒber einen wieder in Betrieb genommenen Abschnitt der Una-Bahn eingesetzt.cite-ref-50[50]
Die Eisenbahnen der Republika Srpska (ĆœRS) haben ebenfalls fĂŒnf Zuggarnituren bestellt.
Talgo-ZĂŒge in Frankreich, Italien und der Schweiz
Die französische SNCF, die italienische Staatsbahn Trenitalia und die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) besitzen bzw. besaĂen jeweils keine eigenen Talgo-ZĂŒge. Jedoch haben die SNCF und die spanische Staatsbahn Renfe im Jahr 2001 die gemeinsame Betreibergesellschaft Elipsos Internacional nach spanischem Recht gegrĂŒndet, welche die internationalen Talgo-Nachtzugverbindungen betrieb und bewirtschaftete. Die Gesellschaft gehörte zu gleichen Teilen der Renfe und der SNCF, weshalb an den Fahrzeugen beide Logos nebeneinander angebracht waren. Die NachtzĂŒge verkehrten unter dem Namen Elipsos Trenhotel bis Ende 2012 bzw. 2013. Alle Elipsos-HotelzĂŒge fĂŒhrten Schlafwagen in drei verschiedenen Komfortklassen und Sitzwagen der ersten Klasse mit jeweils 20 Ruhesesseln. SitzplĂ€tze in der zweiten Klasse und Liegewagen wurden nicht angeboten. Die Fahrradmitnahme war nicht möglich, ausgenommen davon waren zerlegte und in TransportsĂ€cken verpackte RĂ€der, die als GepĂ€ckstĂŒck gelten. Die ZĂŒge waren der internationalen Zugkategorie EuroNight zugeordnet. ZusĂ€tzlich trug jedes Zugpaar den Namen eines spanischen KĂŒnstlers. Die ZĂŒge konnten nur grenzĂŒberschreitend genutzt werden, reine Inlandsfahrten waren nicht gestattet. Einzige Ausnahme war das Zugpaar Joan MirĂł, das auch im französischen Binnenverkehr zwischen Paris und Perpignan bzw. umgekehrt genutzt werden konnte, solange der Halt in Perpignan bestand.
Bis Ende 2013 wurde unter dem Namen Joan MirĂł die Verbindung von Paris ĂŒber Figueres, Girona nach Barcelona sowie unter dem Namen Francisco de Goya die Verbindung von Paris mit Vitoria-Gasteiz, Burgos, Valladolid und Madrid angeboten. Die ZĂŒge verkehrten tĂ€glich zwischen Madrid-Chamartin und Paris Gare dâAusterlitz sowie zwischen Barcelona-França und Paris Gare dâAusterlitz.
Die Verbindungen von Barcelona ĂŒber Perpignan nach ZĂŒrich und Mailand wurden Ende 2012 eingestellt. Sie verkehrten dreimal wöchentlich als Pau Casals nach ZĂŒrich Hauptbahnhof und als Salvador DalĂ nach Milano Centrale.cite-ref-51[51] Der Pau Casals endete zunĂ€chst in Bern und wurde dann zum 1. MĂ€rz 1990 nach ZĂŒrich verlĂ€ngert. Nebst kommerziellen Zwischenhalten in Bern, Freiburg, Lausanne, Genf, Perpignan, Figueres und Girona sah der Fahrplan des Pau Casals weitere zwei Betriebshalte vor â in ChambĂ©ry zur Vereinigung/Trennung mit dem FlĂŒgelzug Salvador DalĂ von/nach Mailand und in Portbou an der katalanisch-französischen Grenze zur Umspurung zwischen spanischer Breitspur und europĂ€ischer Normalspur. Das Zugpaar Joan MirĂł wurde ebenfalls in Portbou umgespurt, jedoch zeitlich versetzt zum doppelt gefĂŒhrten Zug nach ZĂŒrich bzw. nach Mailand. Der Pau Casals verkehrte zuletzt 17-teilig (2 Generatorend- und 15 Zwischenwagen). Mit der Einstellung dieser Verbindungen endete auch der Einsatz der Talgo-ZĂŒge in Frankreich, Italien und der Schweiz. Als Ersatz bietet Elipsos seit Ende 2013 Hochgeschwindigkeitsverbindungen mit TGV- und AVE-ZĂŒgen zwischen Frankreich und Spanien unter dem Namen Renfe-SNCF en cooperaciĂłn / en coopĂ©ration an.
AuĂerhalb Europas
Talgo-ZĂŒge in den USA und Kanada
Die US-amerikanische Bahngesellschaft Amtrak betreibt in Zusammenarbeit mit dem Bundesstaat Washington an der WestkĂŒste der USA die Amtrak-Cascades-ZĂŒge. Sie fahren auf der 752 km langen internationalen Verbindung EugeneâPortlandâSeattleâVancouver. Seit Februar 1998 wurden vier aus der Talgo-6-Generation abgeleitete ZĂŒge eingesetzt, deren Endwagen auffĂ€llige Blenden haben, damit sie optisch besser zu den viel höheren amerikanischen Diesellokomotiven passen. Ein weiterer Zug wurde ursprĂŒnglich fĂŒr den Verkehr Los AngelesâLas Vegas beschafft, dort aber nie eingesetzt. Ab 2003 wurden diese Wagen ebenfalls fĂŒr die Amtrak-Cascades-ZĂŒge eingesetzt.cite-ref-52[52] Diese ZĂŒge werden mit einer Amtrak-Diesellok Typ F59PHI bespannt, als Steuerwagen dient eine umgebaute F40PH (jetzt ohne Antrieb).
Zwei Talgo-WendezĂŒge wurden fĂŒr den Einsatz in Wisconsin gebaut, aber aufgrund von SparmaĂnahmen und Uneinigkeit ĂŒber die Instandhaltung bis April 2012 nicht in Betrieb genommen.cite-ref-53[53] AuĂerdem wurden bis 2013 zwei ZĂŒge fĂŒr den Einsatz in Oregon gebaut.cite-ref-54[54]cite-ref-55[55]cite-ref-56[56] Die neuen ZĂŒge werden mit einer Amtrak-Diesellok Typ P42DC bespannt und sind mit neuentwickelten Steuerwagen ausgestattet.
Talgo-ZĂŒge in Kasachstan
Nachdem im Juni 2000 Probefahrten mit zwei fĂŒnfteiligen Talgo-ZĂŒgen in Kasachstan erfolgreich verlaufen waren, entschloss sich die Kasachische Staatsbahn dazu, eigene Talgo-ZĂŒge zu beschaffen. Hierzu unterzeichnete sie im Oktober 2000 einen Vertrag zur Lieferung von drei ZĂŒgen des Typs Talgo 200 â ein zwölfteiliger Tagesreisezug, bestehend aus zehn Reisezugwagen und zwei Maschinenendwagen, sowie zwei 22-teilige HotelzĂŒge mit 20 Reisezugwagen und zwei Maschinenendwagen. Der Tagesreisezug wurde bereits am 18. November 2001 abgenommen und nahm im Dezember 2001 den Betrieb im Fernverkehr auf. Im Juni 2003 folgten die beiden HotelzĂŒge, welche seit dem 13. September 2003 im planmĂ€Ăigen Nachtverkehr eingesetzt sind.
Die drei Talgo-Garnituren der Kasachischen Staatsbahn sind fĂŒr eine Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h ausgelegt und somit die schnellsten ZĂŒge in Kasachstan. Zur besseren Unterscheidung tragen sie neben ihren Betriebsnummern zusĂ€tzlich auch Namen, wie zum Beispiel Tulpar und Fatima. Die ZĂŒge sind in russischer Breitspur ausgefĂŒhrt, besitzen aber im Hinblick auf einen möglichen Einsatz nach China bereits spurwechselfĂ€hige RadsĂ€tze fĂŒr die europĂ€ische Normalspur. Gewartet werden die drei Garnituren in Zusammenarbeit mit der kasachischen Tochterfirma Talgo in Almaty. Im Jahre 2004 wurden speziell fĂŒr die Talgo-Garnituren vierachsige elektrische Lokomotiven des Typs KZ4A aus China beschafft, die unter Lizenz von Siemens bei Zhuzhou Electric Locomotive Works gebaut wurden. Die farblich den ZĂŒgen angepassten Lokomotiven haben eine der SBB Re 460 Ă€hnliche Kastenform. Die Höchstgeschwindigkeit der Lokomotiven ist auf 200 km/h beschrĂ€nkt, wodurch die zulĂ€ssige Geschwindigkeit der Wagen nicht ausgenutzt werden kann. Die beiden kasachischen Talgo-NachtzĂŒge sind in ihrer Ausstattung Ă€hnlich den ZĂŒgen der DB. Neben den Wagen mit fĂŒnf Zweibettabteilen werden jedoch auch Wagen mit fĂŒnf Vierbettabteilen angeboten. Die beiden 22-teiligen HotelzĂŒge der KTZ setzen sich wie folgt zusammen:
âą 12 Schlafwagen der Touristenklasse (4 Betten je Abteil)
âą 3 Schlafwagen der Business-Klasse (1 bis 2 Betten je Abteil)
âą 3 Schlafwagen der Deluxe-Klasse (1 bis 2 Betten je Abteil mit Dusche)
âą 1 Bistrowagen
âą 1 Restaurantwagen
âą 1 einachsiger Maschinenendwagen
âą 1 zweiachsiger Maschinenendwagen
Beim zwölfteiligen Tageszug werden 25 reservierungspflichtige SitzplÀtze je Wagen angeboten.
2010 wurden 420 weitere Talgo-Wagen bestellt. Teilweise werden diese in einem neuen Werk in Astana endmontiert.cite-ref-57[57] Seit 2016 werden die Wagen mit einer Breite von 3200 statt 2850 mm gebaut; diese Variante ist in Belarus, Kasachstan, Kirgisistan und Russland zugelassen.cite-ref-58[58]
Der Talgo-Tageszug verkehrte ab Dezember 2001 zweimal wöchentlich zwischen der Hauptstadt Astana und der gröĂten Stadt des Landes Almaty auf der wichtigsten Verbindung Kasachstans. Diese 1327 km lange Strecke wurde in etwa 12 bis 13 Stunden zurĂŒckgelegt. Der Talgo-Zug bot durch seine höhere Geschwindigkeit eine deutliche FahrzeitverkĂŒrzung auf dieser Verbindung, fĂŒr die konventionelle ZĂŒge etwa 20 bis 22 Stunden benötigen. Seit dem 13. September 2003 wird die Strecke AstanaâAlmaty mit den beiden spĂ€ter abgelieferten NachtzĂŒgen tĂ€glich bedient. Der Tageszug verkehrt fortan auf der Strecke AlmatyâSchymkent, die dreimal wöchentlich bedient wird.
Talgo-ZĂŒge in Usbekistan
Im Jahr 2009 erwarb die usbekische Staatsbahn OÊ»zbekiston Temir YoÊ»llari zwei vom Talgo 250 abgeleitete Garnituren fĂŒr den Hochgeschwindigkeitsverkehr zwischen den StĂ€dten Taschkent, Jizzax und Samarqand. Die ZĂŒge, die unter dem Markennamen Afrosiyob verkehren, wurden 2011 geliefert und erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h. Anders als die spanischen TriebzĂŒge der Reihe 130 sind die usbekischen nicht spurwechselfĂ€hig und nur fĂŒr den Betrieb mit 25 kV Wechselspannung und auf russischer Breitspur ausgelegt. Im Jahr 2015 erwarb die usbekische Bahn zwei weitere Garnituren fĂŒr die Erweiterung der Schnellfahrstrecke von Samarqand nach Buxoro. Diese ging im August 2016 in Betrieb. Die 577 km zwischen Taschkent und Buxoro legt ein Afrosiyob in drei Stunden und 20 Minuten, statt wie vorher in rund sieben Stunden zurĂŒck.cite-ref-59[59] Die Reisegeschwindigkeit betrĂ€gt 173,1 km/h. Bereits im August 2015 wurde die Bahnstrecke von Samarqand nach Qarshi eröffnet.
Talgo-ZĂŒge in Saudi-Arabien
FĂŒr die Bahnstrecke MedinaâMekka bestellte die Saudi Railways Organisation 36 Talgo 350 ZĂŒge. Diese basieren weitestgehend auf der RENFE-Baureihe 112 erhielten jedoch einige Modifikationen die den Betrieb unter extremen klimatischen Bedingungen erleichtern sollen. Unter anderem verfĂŒgt jeder Zug ĂŒber 13 Wagen mit je zwei voneinander unabhĂ€ngigen Klimaanlagen, um deren Funktion auf jeden Fall sicherzustellen. Ein Zug bietet 417 SitzplĂ€tze in zwei Wagenklassen. Eine Garnitur wird als Hofzug fĂŒr den saudischen König verwendet und erhielt eine besondere Ausstattung. Die ZĂŒge verkehren seit dem 11. Oktober 2018 im Fahrgastbetrieb als Haramain high-speed railway.
Talgo-ZĂŒge in Ăgypten
Die Ăgyptischen Staatsbahnen haben ab 2022 sechs Talgo-Einheiten fĂŒr je 492 FahrgĂ€ste in Betrieb genommen. Die fĂŒnfzehnteiligen ZĂŒge bestehen aus einem Generatorwagen, fĂŒnf Wagen erster Klasse, einem Cafeteriawagen mit Bereich fĂŒr mobilitĂ€tseingeschrĂ€nkte Personen und acht Wagen zweiter Klasse, sie sind fĂŒr eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h ausgelegt und werden mit Diesellokomotiven EMD JT42CWR bespannt. Die fĂŒr AuĂentemperaturen bis 50 °C ausgelegten Klimaanlagen sind aus dem Saudi-arabischen Haramain Express abgeleitet. Diese ZĂŒge verkehren zwischen Kairo und Alexandria. Es wurde ein Instandhaltungsvertrag ĂŒber acht Jahre abgeschlossen.cite-ref-60[60]cite-ref-61[61]cite-ref-62[62]
In einem zweiten Auftrag wurden sieben achtzehnteilige NachtzĂŒge bestellt. Die Inbetriebnahme war fĂŒr 2024 vorgesehen.cite-ref-63[63]
Talgo-ZĂŒge in Argentinien
Im Rahmen des Vertrags zur Zusammenarbeit zwischen Spanien und Argentinien im Bereich der Eisenbahn ĂŒbernahm Argentinien zwei gebrauchte Talgo-IV-Einheiten aus Spanien. Die NeunwagenzĂŒge wurden ab Juli 2011 im Fernverkehr zwischen Buenos Aires und dem Seebad Mar del Plata eingesetzt,cite-ref-64[64] inzwischen sind sie in den WerkstĂ€tten von Victoria in Buenos Aires betriebsfĂ€hig abgestellt.
Sonstiges
1954 lief bei der New Haven Railroad (NH) in den USA ein Talgo-VorfĂŒhrzug. Daraufhin baute Pullman 1956 nach Talgo-Vorbild fĂŒr die NH zwei an US-VerhĂ€ltnisse angepasste Zuggarnituren. Der âDaniel Websterâ genannte Zug wies an beiden Enden je eine dieselhydraulische Lokomotive von Baldwin-Lima-Hamilton auf. Der fĂŒnfzehnteilige âJohn Quincy Adamsâ war beiderseits mit je einer Diesellok von Fairbanks-Morse bespannt.cite-ref-65[65]
Weblinks
Commons
: Talgo
â Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
âą Talgo (Seite des Herstellers)
âą Elipsos. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 12. Dezember 2012; abgerufen am 6. Dezember 2014 (Ehemalige Seite der Betreibergesellschaft fĂŒr die Verbindungen Schweiz-/Frankreich-Spanien).
âą Talgo. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 2. Juni 2006; abgerufen am 6. Dezember 2014 (französisch, spanisch, teilweise, englisch, ausfĂŒhrliche Beschreibung der Talgo-Wagen).
Einzelnachweise
cite-note-11. â Dipl.-Ing. Andreas Netzel, Berlin: Talgo XXI â zuverlĂ€ssige Neigetechnik im hochwertigen Reisezugverkehr. (Memento vom 31. Dezember 2006 im Internet Archive) (PDF; 219 kB) in ZEVrail (Glasers Annalen), Jahrgang 126 (2002) Heft 9 (September) Seite 404â414 (Download von Talgo Deutschland)
cite-note-historie-22. â Historie. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 6. Februar 2012; abgerufen am 18. Dezember 2011.
cite-note-33. â museodelferrocarril.org
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